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Rotkäppchen

Die deutsche Erstaufführung der Märchenoper Rotkäppchen von César Cui soll 2021 stattfinden. Die Akteure von FestLand haben den wichtigen und mutigen Entschluss gefasst, sich von Corona nicht weiter unterkriegen zu lassen. Ob live Format oder Film, wir werden das Projekt in Angriff nehmen. Ich freue mich sehr, denn so kann eine Arbeit, die mich viele Jahre beschäftigt hat, endlich abgeschlossen werden.

Dorf macht Oper/ FestLand bringt erstmalig eine Kinderoper heraus. Es gibt guten Grund zu der Annahme, dass die Premiere der Märchenoper „Das Rotkäppchen“ des russischen Komponisten César Cui in Klein Leppin eine deutsche Erstaufführung sein wird. 

Das deutsche Libretto ist auf jeden Fall brandneu, denn es stammt von mir. Ein Libretto (Original Marina S. Pol) in eine andere Sprache zu übersetzen, ist eine aufwendige Kunst. Seit meiner Mitarbeit an der Dresdner Libretto-Fassung für Cuis „Der gestiefelte Kater“, die an der jungen Szene der Semperoper zur Aufführung kam, beschäftige ich mich hin und wieder mit dem Schreiben eines Librettos. Das macht einfach Spaß. 

 

Auf Cuis „Rotkäppchen“ bin ich aufmerksam geworden, als wir für Dorf macht Oper nach einer geeigneten Oper suchten. Die Idee, dass wir in Klein Leppin auch einmal Musiktheater für Kinder herausbringen, fand ich überzeugend. Kinder waren an allen unseren Aufführungen beteiligt. Das ist eines unserer Markenzeichen. Es erscheint also nur folgerichtig, wenn sich Dorf macht Oper auch dem Musiktheater für Kinder widmet. Cuis „Rotkäppchen“ kam für Dorf macht Oper in Frage, weil die Oper eine kleine, feine Besetzung erfordert und ein Chor dabei ist, mit dankbaren Aufgaben. Perfekt! 

 

Bei „Rotkäppchen“ handelt es sich um eine der letzten Opern von  César Cui. Die Musik zur Oper ist lediglich in einer Fassung für Solisten, Chor und Klavier überliefert. Ob es sich um eine bewusste Entscheidung des Komponisten handelte, das Werk lediglich für Klavier zu komponieren, oder ob er die Instrumentierung der Oper einfach nicht mehr vollenden konnte, darüber haben wir keine Informationen gefunden.  

Aus dem überlieferten Notenmaterial strahlt die Erfindungsgabe eines sehr besonderen und zu unrecht vergessenen Komponisten. César Antonovich Cui war Gründungsmitglied des sogenannten Mächtigen Häufleins, einer Gruppe von russischen Komponisten, die sich 1862 in St. Petersburg zusammenschloss.  Sie wollten die russische Musik revolutionieren, indem sie die Musik von ihren Wurzeln her, von der Volksmusik aus, neu erdachten. César Cui ging allerdings schon bald einen anderen Weg. Anders als seine Kollegen Mussorgski und Rimski-Korsakow verfolgte er eine eher intime, zurückhaltende Klangsprache. 

 

Werner und Steffen Tast erkannten schnell das musikalische Potential der Oper: “Um dem Stück den instrumentalen Glanz und die musikalische Farbpalette wiederzugeben, werden wir die Oper komplett neu instrumentieren. Das bedeutet, dass die Farbigkeit der Musik durch die Instrumentation der Klavierstimme für ein kleines Orchester vollkommen neu geschaffen wird. Somit wird die Wiederentdeckung von César Cui und seiner Märchenoper bei Dorf macht Oper in Klein Leppin zu einer musikalischen Einzigartigkeit.“

Ich kann diese Einschätzung nur teilen. Man kann sich keine besseren Mitstreiter denken, für dieses tolle Unternehmen. Und, ich freue mich schon riesig auf den Tag, an dem die Mitglieder des Rundfunksinfonieorchester Berlin dieses Werk zur ‚Ur’aufführung bringen.